Bahn, Air Berlin und Telekom stellen Rabatt ein
Den Anfang machte die Deutsche Bahn. Zum 15. April stellt sie ihren 50%igen Rabatt auf die Bahncard ein. Kurz darauf teilte Air Berlin mit, dass sie zum 1. April ihre Rabatte für Journalisten einstellt. Schließlich meldete die Telekom, dass sie "in Kürze" ihre Journalistentarife abschaffen wird. Die offizielle Begründung ist bei allen die gleiche: Mit unterschwelligem Hinweis auf die Affäre Christian Wulff erklären die Unternehmen, die Journalistenrabatte seien "nicht mehr zeitgemäß".
Ob das wirklich so stimmt? Man erinnere sich: Air Berlin war die Fluggesellschaft, die Christian Wulff ohne mit der Wimper zu zucken ein kostenloses Upgrade besorgt hat. Und schon im letzten Jahr hatte sie den Journalistenrabatt von ursprünglich 50 Prozent auf ca. 25 Prozent reduziert. Wirtschaftliche Gründe waren damals ausschlaggebend. Auch bei der Telekom unterschied sich der Rabatt zum Schluss nur noch unwesentlich von den Tarifen für jedermann. Da fragt man sich schon, ob die Wulff-Debatte für die Unternehmen zum Vorwand genommen wird: Geht es lediglich darum, einen zur Gewohnheit gewordenen Kostenfaktor zu streichen? Der Online-Mediendienst meedia.de bringt es, wie folgt auf den Punkt: "Haben die drei Unternehmen den Presserabatt abgeschafft, weil er nur kostet und nix bringt?"
Jedenfalls sehen jetzt einige
das große Presserabattsterben kommen. Doch das wird eher nicht passieren: Für viele Unternehmen sind Presserabatte eine viel zu wichtige Einnahmequelle. Beispielsweise verdienen Autobauer und Mietwagenfirmen mit der mobilen Keykunden-Zielgruppe "Presse" gutes Geld, trotz Rabatt.
Selbst wenn sich einige Unternehmen "offiziell" von Rabatttarifen zurückziehen, werden Journalisten weiterhin Presserabatte erhalten. Das Rabattgeschäft wird dann lediglich in die Grauzone abwandern. Ein Zustand wie vor 15 Jahren, als man noch keine Rabattverzeichnisse kannte: Die Konditionen wurden damals mehr oder weniger heimlich zwischen Pressestelle und dem einzelnen Journalisten ausgemauschelt.
Diese Grauzone gibt es übrigens nach wie vor: Da erhalten Journalisten unbegrenzt zur Verfügung gestellte "Test-Exemplare" von teuren Gadgets. Kollegen werden zu Luxus-Reisen für "Auto-Tests" eingeladen. Und Kreuzfahrten und Freiflüge gegen gefällige Berichterstattung gehören ja fast zum Standard des Reisejournalismus. Diese Auswüchse bleiben interessanterweise von der aktuellen Presserabatt-Diskussion gänzlich unberührt.
Ziemlich heuchlerisch ist auch die Reaktion des Springer Verlages auf die aktuelle Presserabatt-Debatte: Die Chefredakteure des Springer Verlages lassen sich derzeit von ihren Journalisten schriftlich den "freiwilligen Verzicht" auf Presserabatte bescheinigen: In einer Erklärung verpflichten sich die Redakteure, zukünftig auf Goodies und Preisnachlässe zu verzichten. Das entbehrt nicht der Komik: Springer-Chefredakteure vereinbaren, dass ihre Journalisten "freiwillig" keine Presserabatte mehr nutzen sollen.
Doch auch wenn der Verlag sich selbst wegen der "klaren Haltung" lobt und die "hohen ethischen Maßstäbe" beschwört, hält man sich ein Hintertürchen offen: Denn das Unternehmen macht zugleich folgende Einschränkung: "Nicht von der Regelung betroffen sind Unternehmensrabatte, da es sich hierbei in erster Linie um Mengenrabatte handelt". Will heißen: Als Verlag untersagt man den Journalisten sich als Privatpersonen selbst Rabatte zu besorgen, verhandelt aber im stillen Kämmerlein "Mengenrabatte" für das eigene Unternehmen aus, die faktisch die alten Journalistenkonditionen sind.
Links:
Zur
Presserabatt-Datenbank von Journalismus.com
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