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Zwischenbilanz zur Diskussion "Presserabatt - Wie raffgierig sind Journalisten?"
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Timo Nobis, TNT-Medienagentur, schreibt für Tageszeitungen, wie die "Welt" und das Medienmagazin "Journalist"
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| Also, nachdem die Diskussion "Wie raffgierig (und bestechlich) sind Journalisten bei Presserabatten?" im Diskussionsforum von Journalismus.com wieder ein bisschen abgeflaut ist, und ich mir heute, an einem schönen Samstag-Vormittag, mal die "Mühe" gemacht habe, mich durch die über 90 Einträge zu diesem Thread zu wühlen, schreibe ich nun auch mal meine Meinung zu dem Thema:
Nur schwarz-weiß-Seher?
Ich bin total verwundert, wie groß doch die Zahl der schwarz-weiß-Seher zu dieser Problematik selbst in unserer Branche ist. Dies geht zumindest aus vielen der Einträge hervor, da sind ...
- die Guten, die moralisch einwandfrei, nachweislich integer und absolut unbestechlich jedes, absolut jedes "Angebot" gleich welcher Couleur vom Gratis-Kugelschreiber mit Firmenlogo-Eindruck bis hin zum fünf Prozent Rabatt bei der Airline ihres Vertrauens ablehnen. Von wegen überparteilich und unabhängig und so. Diese Menschen sagen bestimmt auch bei jeder Recherche über VW, dass sie einen Astra fahren, um sich bei Opel mit dem (geliehenen) Golf jeglicher potenzieller Befangenheit von vorherein zu entledigen.
- Aus Sicht dieses Typus sind dann die Schlechten sogar noch verabscheuungwürdiger als in Panorama, FAZ und FR sowie in der allgemeinen Wahrnehmung der breiten Bevölkerung bereits angeprangert. Absolut schlechte Journalisten, die sämtliche Fähigkeiten, ihren Beruf auszuüben, versoffen haben in mehrmals im Jahr absolvierten Luxus-Kreuzfahrten, kostenlosen ausschweifenden Bordellbesuchen oder One-Night-Stands mit Madonna, um danach im Ferrari Testarossa plus 5000 € Tankgutschein für ungebrenzte Testfahrten in die Traumvilla, gestellt vom örtlichen Bauunternehmen, zu düsen. In die Redaktion müssen sie ja nicht mehr, da ihre Beiträge durch die verloren gegangene Urteilsfähigkeit ja eh nicht mehr gegruckt werden. Vertrag und Gehalt laufen jedoch selbst redend weiter, da Chefredaktuer und Verlagseigner zu viel Angst haben, der betreffende Journalist könnte auf einer seiner ausgiebigen Pressereisen nach Thailand mal zufällig einem Panorama-Redakteur über den Weg laufen und plaudern, was in den Chefetagen so für Rabatte eingesackt werden.......
Kann man nicht mehr Differenzieren?
Ich dachte bisher eigentlich immer, gerade unser Berufsstand könnte ein bisschen mehr differenzieren als der Durchschnitt. Ich glaube, es ist vielmehr so, dass die weitaus meisten unserer Zunft über das Stadium des Studierens der Presserabatt-Datenbank auf dieser ehrenwerten Website (bekomme ich jetzt 5 Prozent Rabatt für dieses Lob?) gar nicht hinaus kommen, allenfalls sich noch die Grundgebühr fürs Handy erlassen lassen und das wars.
Ferrari Testarossa plus 5000 € Tankgutschein für ungebrenzte Testfahrten ...
Exoten wie scharze Schafe gibt es bei uns wie in jeder anderen Branche, zum Beispiel fand ich die Frage nach dem Presserabatt bei Beate Uhse allenfalls amüsant und nicht anrüchig, obwohl ich nicht weiß und eigentlich auch nicht wissen will, welches Medium denn dann "unabhängigen" Dildo-Test des Kollegen druckt.....
Mit dem Presseausweis wedelnd durch die Gegend laufen?
Und zudem gibt zwischem dem "mit dem PA wedelnd durch die Gegend laufen" und dem nachfragen oder angeboten-bekommen von Presserabatten wohl doch noch die ein oder andere Nuance. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich viele Rabattmöglichkeiten viel eher bei beruflich auftretenden Gesprächen mit durch die Jahre gut bekannten Pressesprechern/Vorständen/Geschäftsführern ergeben, in denen man auch mal für fünf Minuten "privat" wird. Wenn man dann bei einer Recherche bei TUI gefragt wird, wohin es denn dieses Jahr in Urlaub geht, und man erzählt, dass man gerade vor ein paar Tagen die Balearen gebucht hat, wer - und jetzt alle Hand aufs Herz - würde dann das Angebot ablehnen, dass "die TUI" zumindest den Mietwagen oder die höhere Verpflegungskategorie kostenfrei stellt? Jetzt wird es gleich wieder einige geben, die behaupten, der betreffende Journalist sucht dann im Frühjahr nur nach Gründen, warum er mal wieder in der TUI-Pressestelle bei Frau XY anrufen kann, um irgendeine sowieso nie gedruckte Geschichte zu recherchieren.... Schon klar.
Neid unter uns Klosterbrüdern...
Dass es gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, besonders für freie Journalisten, auch Neid unter uns Klosterbrüdern gibt, ist schon klar, aber diese Debatte um raffgierige und käufliche Demjenigen-der-die-besten-Nachlässe-gewährt-200-Zeilen-Lobeshymnen-schreibende-Nichtswisser sollen doch andere führen, meint ihr nicht auch?
Timo Nobis
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